Internetunsinn oder raffinierte Kulturtechnik? Zur Philosophie der Internetmemes [SS 2020]

Ob als alberne Jokes oder abgründige Aufheiterung, existenzielle Positionsbestimmung oder politischer Metakommentar, als Waffe in der politischen Auseinandersetzung oder einfach nur als witzige Bilder, dieGesichtsausdrücke von Kleintieren sympathethisch in den Fokus rücken – Internetmemes sind aus unserem digitalen Alltag kaum mehr wegzudenken. Aber was ist eigentlich ein Internetmem(e)? Einfach nur ein witziges Bild oder GIF mit oder ohne Text, Internetunsinn, der über soziale Medien geteilt wird? Oder steckt hinter der vermeintlichen Alberei nicht zumindest teilweise eine raffinierte Kulturtechnik, diees Menschen erlaubt, sich selbst und die Welt, in der sie leben, besser zu verstehen? Fungieren Memes als schnelllebige Werkzeuge der Welterschließung in einer überkomplexen Welt oder verstärken sie die Bildung von Klischees und die Stabilisierung und Übernahme von ready-made-Überzeugungen? Können Internetmemes gar Kunst sein? Diese und ähnliche Fragen werden uns im Seminar beschäftigen. Dabei werden wir uns zunächst mit der Frage auseinandersetzen, was genau mit dem Begriff „Mem“ eigentlich gemeint ist. Der Begriff Memwurde ursprünglich von Richard Dawkins in Analogie zum Begriff der Gene eingeführt. Dawkins zufolgesind Meme „Ideen, Überzeugungen oder Verhaltensmuster“ deren Existenz darauf basiert, dass sie von Menschen erlernt und reproduziert werden. Meme werden hier also als kulturelle Einheiten begriffen, dieauf Reproduktionen durch menschliche Subjekte beruhen und die sich in Sinn und Form mitunter im Laufe der Zeit verändern. Nachdem wir uns dann mit der Weiterentwicklung von Dawkins Idee bei Ruth Millikan, Daniel Dennett und Susan Blackmore beschäftigt haben, werden wir uns spezifischer demPhänomen der Internetmemes zuwenden, die eine Sonderform von Memen im Sinne Dawkins darstellen. Fragen, die uns hierbei beschäftigen werden, sind: Was macht eigentlich die Besonderheit von Internetmemes aus? Welche historischen Vorläufer lassen sich identifizieren? Welche (epistemischen)Funktion erfüllen Internetmemes? Wieso sind sie so beliebt? Welche unterschiedlichen Formen oder Typen von Internetmemes lassen sich unterscheiden? Was macht ein Meme eigentlich zu einem besonders wertvollen oder guten Meme? Inwiefern und wann sind Internetmemes Kunst?

Tom Poljansek

Ästhetik des Widerstands: Zum Verhältnis von Theorie, Politik und Kunst. [SS 2020]

„Die Ästhetik des Widerstands“ von Peter Weiss ist ein Text, der sich zugleich als Ästhetik bzw. als Form der ästhetischen Theorie und als politisches Kunstwerk darstellt. Damit wirft er Fragen nach dem Verhältnis von Theorie, Kunst und Politik auf, die sich vor dem Hintergrund der persistierenden gesellschaftlichen Krise mit großer Dringlichkeit stellen. Ausgehend von Weiss’ literarischem Text, widmet das Seminar sich diesen Fragen in Auseinandersetzung mit Positionen der Kritischen Theorie und ihrer Grundlagen, der neueren französischen Philosophie, sowie feministischen und post-kolonialen Ansätzen.

Franziska Wildt

Kolloquium Gegenwartsästhetik

Inhalt: In diesem Semester sollen Achille Mbembes „Kritik der schwarzen Vernunft“ und Günther Anders „Musikphilosophische Schriften“ gelesen werden. Im seit mehreren Jahren bestehenden Kolloquium werden Positionen der gegenwärtigen ästhetischen Diskussion gemeinsam diskutiert. Das Kolloquium richtet sich an Designer*innen, Künstler*innen, Philosophen und Philosophinnen, Musiker*innen und an alle, die sich für aktuelle Debatten der Ästhetik interessieren. Es findet in Kooperation zwischen der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und der Staatlichen Hochschule für Musik und darstellende Kunst Stuttgart statt.

Daniel Martin Feige

Ethik des Klimawandels

Inhalt: In den letzten Jahren ist der öffentliche Diskurs zunehmend von Fragen eines angemessenen Umgangs mit dem Klimawandel, der heute in der Klimaforschung als Tatsache gilt, bestimmt. Im Seminar werden wir im Rahmen einer gemeinsamen Lektüre des Buchs zum Thema von Dominic Roser und Christian Seidel die ethischen Herausforderungen und mögliche Antworten diskutieren. Das Buch wird zu Anschaffung empfohlen.

Literatur:  Dominic Roser und Christian Seidel, Ethik des Klimawandels. Eine Einführung, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2015 (2. Auflage).


Daniel Martin Feige

Texte zur Theorie der Sprache

Inhalt: Seit spätestens dem 20. Jahrhundert hat sich in verschiedenen Wissenschaften die Erkenntnis durchgesetzt, dass Sprache ein wesentliches Merkmal dessen menschlichen Geistes ist. Denken und Handeln können nur Lebewesen, die der Sprache mächtig sind. Die sprachtheoretischen Debatten haben dabei zugleich einen direkten Bezug zu Fragen der Designtheorie: Designgegenstände sind nie nur funktionale Gegenstände, sondern symbolisieren, kommunizieren und exemplifizieren. Im Rahmen des Seminars sollen klassische und jüngere Texte der Sprachphilosophie gemeinsam diskutiert werden. Die Veranstaltung führt nicht allein in Grundprobleme der Sprachphilosophie ein, sondern erfüllt darüber hinaus die Funktion, dass die Teilnehmer*innen in Form von Präsentationen und Kurzreferaten zugleich ihre Vortragsfähigkeiten schulen.

Literatur:  Jonas Pfister (Hg.), Texte zur Sprachphilosophie, Stuttgart: Reclam 2011.


Daniel Martin Feige

Philosophie des Films

Der Film gehört seit seiner Genese zu den relevantesten Medien und Kunstformen der Gegenwart. Bereits seit seiner Entstehung stellen sich dabei Fragen nach seiner medialen Verfasstheit und seinen ästhetischen Ausdruckspotentialen. Im Seminar wird im Rahmen einer gemeinsamen Lektüre von Noël Carrolls Buch „Philosophy of Motion Pictures“ in grundlegende Fragen der Philosophie des Films eingeführt. Zu Beginn wird ein Kanon von Filmen festgelegt werden, die als Hintergrund der Diskussion dienen. Die Anschaffung des Buches wird empfohlen.

Literatur: Noël Carroll, The Philosophy of Motion Pictures, Malden/Ma.: Blackwell 2008.


Daniel Martin Feige

Einführung in die Musikästhetik für Designer*innen

Die Vorlesung gilt einer Einführung in die Musikästhetik mit besonderem Augenmerk auf die Frage, wie das Verhältnis von Musik und Design zu verstehen ist. Dazu wird sie sowohl in systematische Fragen einführen, wie die Positionen bedeutender Musikästhetiker/innen vorstellen. Zu ihren Leitfragen werden folgende Fragen gehören: Was ist Musik? In welcher Weise lässt sich die These verstehen, Musik spreche besonders das Gefühl oder unsere Rationalität an? Was ist der Unterschied zwischen Kunstmusik und Gebrauchsmusik? Worin besteht der Unterschied verschiedener Arten von Musik wie europäischer Kunstmusik, Jazz und Pop? Auf welche Weise existieren musikalische Werke, Aufnahmen und Improvisationen? Welchen Ort hat die Musik im System der Künste?

Literatur: Theodor W. Adorno, Philosophie der Neuen Musik, Frankfurt/M.: Suhrkamp 1990; Daniel M. Feige, Philosophie des Jazz, Berlin: Suhrkamp 2014; Theodore Gracyk u. Andrew Kania (Hg.), The Routledge Companion to Philosophy and Music, London: Routledge 2011; Richard Klein, Musikphilosophie zur Einführung, Hamburg: Junius 2014.

 


Daniel Martin Feige

Designgeschichte II [SS 2020]

Design hat nicht nur eine Geschichte, sondern ist seine Geschichte. Design ist ein Prozess, zielt auf Prozesse und scheint, wenn überhaupt, nur im Prozess (um-)definiert werden zu können. Entsprechend wird es in der Überblicksvorlesung und der wechselweisen Diskussion einschlägiger Quellentexte darum gehen, eine Entwicklung nachzuzeichnen, die bei der Frage nach dem eigentlichen Ursprung des „Designs“ ansetzt, um am Ende eines kritischen Durchgangs durch die letzten Jahrhunderte das Phänomen „Design“ in der Gegenwart besser erfassen zu können.

Florian Arnold

Weltenbau – von der homerischen Ilias bis zum Gamedesign der Gegenwart [SS 2020]

Die Lebenswelt des Menschen ist, anders als die von Tieren, Pflanzen oder Maschinen, eine natürliche Umwelt, die zugleich kulturell weiterwickelt wird. Wir leben nicht nur in unserer jeweiligen Welt, sondern wir entwerfen diese Welten immer wieder neu. Von der paläoanthropologischen bis zur digitalen Höhle bedeutet in der Welt zu sein, einen Ausbau imaginärer Architekturen zu betreiben, die seit Mitte des 20. Jahrhunderts auch den sogenannten „Weltraum“ miteinschließen.

In dem Seminar wird es darum gehen, epochenmachende Neuentwürfe des Kosmos in den Blick zu nehmen, indem Texte und Projekte herangezogen werden, die sich direkt oder indirekt mit Fragen des Weltentwerfens beschäftigen.

Florian Arnold