Reallabor Space Sharing / Sharing Brutalism

Reallabor Space Sharing ist eine Forschungsinitiative an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, die sich mit innovativer Nutzungsintensivierung von Raum auseinandersetzt.

Constantin HörburgerMarianne Müller

Architektur & Fassade - MA Seminar [SS 2020]

Alles nur Fassade? Dieses gebäudetypologische Seminar mit Entwurfsanteil versteht die Fassade als dreidimensionalen szenischen, technischen und materiellen Raum, der zwischen Innen und Außen, Stadt und Individuum verhandelt. Als Angesicht eines Gebäudes lag die Hauptaufgabe der Fassade klassischerweise in der Repräsentation. Aber was stellt die Schauseite dar? Wofür bereitet sie die Bühne? Technischer Fortschritt erweiterte ihre Komplexität drastisch. Heute setzt der Klimawandel die Fassade zunehmend unter Druck. Mit nur 40-50 Jahren Lebenszeit sind viele zeitgenössische Fassadentypen nicht länger tragbar. 

Das Seminar begreift die Fassade als raumgreifendes Element, technischen Knotenpunkt und bewohnten Raum, ihre flächige und dreidimensionale Wirkung auf Stadtraum und Nutzer, als Ausdruck des Privaten und Öffentlichen und atmosphärisch und kulturell aufgeladenen Raum. Themen wie Proportion, Gliederung und Fügung werden genauso erforscht, wie die Kompatibilität und Adaption der Fassade im Kontext ihrer erweiterten Lebensdauer und Nachhaltigkeit. Ein besonderer Fokus auf Material, Materialethik und -herkunft und dessen Eingliederung in einen zyklischen Kreislauf ist in Zeiten des Klimawandels unverhandelbar.

 

David BrodbeckMarianne MüllerMichael Nijs

Base Buildings 2 - Entwurf [SS 2020]

Die Nutzungsdauer vieler Bauten beträgt nur 30 bis 40 Jahre. Dies entspricht der durchschnittlichen Lebensspanne einer Vorhangfassade. Architektur als Wegwerfware? Simples Verbrauchsgut? Wie können wir die Lebensdauer von Gebäuden in Zeiten des Klimawandels verlängern?

 

Die Klasse für Entwerfen, Architektur und Gebäudetypologie setzt Ihre Untersuchung von ‚Base Buildings’, offenen Gebäuden ohne Bindungen an kurzfristige Funktionen, fort. Die Auseinandersetzung mit dem Base Build, dem Grundgebäude, seiner Lebensspanne, Adaptierbarkeit und Materialwahl sind heute unumgänglich. Nutzungsoffene Gebäude stellen einen zukunftsfähigen Beitrag dar, die Lebensdauer von Gebäuden zu erhöhen und damit deren ökologischen Footprint massgeblich zu reduzieren.  

 

Die Arbeiten im Wintersemester haben aufgezeigt, wie man Architekturen denken kann, die nicht mehr über Ihre Funktion definiert sind und Veränderungen sowie Aneignungen durch Ihre Nutzer zulassen, ohne sich selbst physisch zu verändern. Im Sommersemester fokussieren wir uns auf ein zentrales Element: die Fassade. Base Buildings brauchen nutzungsoffene Fassaden, langlebige Fassaden, die Nutzungswechsel überstehen können, interpretierbar und adaptierbar sind.

 

Innerhalb dieses Entwurfsstudios sollen „Offene Fassaden“ thematisiert und anhand konkreter Orte bis ins Detail entworfen werden. Neben städtebaulicher Auseinandersetzung und den Wechselwirkungen mit potentiellen Nutzungen, steht die konkrete Artikulation, Materialisierung und Detaillierung dieser im Vordergrund. Welche gestalterischen und atmosphärischen Potentiale ergeben sich? Was sind die Wechselwirkungen zwischen Langlebigkeit, Material und Detail? Wie kann man Werkstoffe im Kontext der zirkulären Ökonomie und des „Offenen Gebäudes“ neu denken?


David BrodbeckMarianne Müller