Seminare im Sommersemester 2026
Kamin als räumlicher Generator, Konstruktion einer Typologie
Klasse für Entwerfen und Transformation
Prof. Bettina Kraus, AM Laura Bruder

Kontext, Funktion, Struktur und Maßstab stehen im Wohnungsbau in einer dynamischen Wechselbeziehung. Sie beeinflussen sich gegenseitig, bedingen einander und prägen maßgeblich die räumliche Organisation, die Nutzung sowie den Charakter von Wohnarchitekturen. Ausgehend vom Kamin als räumlichem und sozialem Mittelpunkt individueller Wohnformen untersucht das Seminar, wie sich dieses Prinzip typologisch auf den Mehrfamilienhausbau übertragen lässt.
Ein vertieftes Verständnis der Zusammenhänge zwischen Nutzung, Konstruktion und architektonischem Ausdruck bildet die Grundlage für gezielte, konzepttragende Entscheidungen im Entwurfsprozess. Konstruktion wird dabei als Materialisierung eines Raumkonzepts verstanden, das nicht nur technische Lösungen bereitstellt, sondern räumliche Ordnung, Maßstäblichkeit und Atmosphäre mitprägt. Diese Fähigkeit wird im Seminar kontinuierlich weiterentwickelt, indem bestehende Wohn- und Konstruktionsmodelle analysiert, hinterfragt und in Bezug auf das zentrale Raummotiv – den Kamin – typologisch variiert werden.
Im Fokus steht die Entwicklung wiederholbarer Grundriss- und Schnittstrukturen, die es erlauben, ein individuelles räumliches Zentrum innerhalb serieller Systeme zu etablieren. Anhand ausgewählter Typologien werden deren Grenzen, Modularität und Skalierbarkeit untersucht und räumlich interpretiert. Der Wiederholungsfaktor wird dabei nicht als Einschränkung, sondern als Entwurfsinstrument verstanden, um Differenzierung innerhalb standardisierter Strukturen zu ermöglichen.
Auf Grundlage dieses systematischen Verständnisses entwerfen die Studierenden reflektierte Wohnmodelle, in denen sich individuelle Nutzung, konstruktive Logik und räumlicher Ausdruck zu einem kohärenten Ganzen verbinden. Jede entworfene Wohneinheit entwickelt aus dem zentralen Element – dem Kamin – eine spezifische räumliche Ordnung, die sich im Gesamtgefüge des Mehrfamilienhauses seriell fortschreibt.
Das individuelle typologische Entwurfsthema wird zeichnerisch in Grundriss, Schnitt und Montageplan sowie in einem physischen Modell umgesetzt und dient als Grundlage für die Diskussion architektonischer, funktionaler und konstruktiver Qualitäten im Spannungsfeld von Individualität und Wiederholung.