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Text der Kursbeschreibung

Mila Kostović

Nach dem Ende der Vormachtstellung der Habsburger Monarchie und dem osmanischen Reich konstituierte sich Jugoslawien erst als Königreich, und nach dem zweiten Weltkrieg als sozialistischer Staat (SFRJ). Beide politischen Systeme verfolgten unterschiedliche Ansätze zur Herstellung eines einenden Selbstverständnisses. In der praktischen Umsetzung wirkten diese jedoch nicht vollkommen integrativ und boten Raum für die Ausdifferenzierung nationaler Identitätsentwürfe. Der Zerfall der SFRJ während des Bürgerkriegs in den 1990ern machte sichtbar, welches Gewaltpotenzial divergierende ideologische Haltungen und ihre mediale Intensivierung entwickeln können. 

Diese ideologischen Kipppunkte spiegelten sich in Architektur und im Städtebau wider. Der Brutalismus als Versuch einer sozialistisch regulierten Modernisierung löste historistische, national konnotierte Bautraditionen ab, wurde aber in den Nachkriegsjahren zunehmend mit einem popkulturell geprägten, eklektischen Rückgriff auf etablierte nationale Symboliken überbaut. Im Seminar werden die städtebaulichen und architektonischen Schichten der politischen Phasen anhand verschiedener jugoslawischer Städte analysiert. Ziel ist es, die Intensionen der Gestaltung nachzuvollziehen und die räumlichen Überlagerungen verschiedener Ideologien wahrzunehmen. Zur Diskussion stehen folgende zentrale Fragen: In welchem Verhältnis standen divergente räumliche Gestaltungsprinzipien zur heterogenen, jugoslawischen Gesellschaft? Inwiefern wurde der Umgang mit historischen, unter Fremdherrschaft entstandenen Strukturen als politisches Mittel aktiviert? Und welche gesellschaftlichen Reibungsstellen und Potenziale entstanden dabei?

Das Seminar beinhaltet Grundlagen-Inputs mit einer historischen und politischen Kontextualisierung, stadtgeschichtlichen Analysen und architektonischen Beispielen. Auf dieser Basis sollen die Studierenden eine räumliche Thematik zur individuellen Vertiefung wählen, die mit drei Schreibübungen ...

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